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Artensterben Nashorn Wolf"Der langsam zurückkehrende Wolf war in Deutschland lange ausgestorben" steht immer wieder in den Medien. "Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendes Neusprech-Wort.  Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender.

Jetzt kommt der Wolf langsam zurück und wie wird er empfangen?

Wir zitieren aus einer Stellungnahme des BLHV „Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.“:
"Der BLHV spricht sich gegen eine Wiederbesiedlung von Baden-Württemberg durch den Wolf aus. (...) Der BLHV kritisierte auch die verbreitete Willkommenskultur für den Wolf. Diese sei der ländlichen Bevölkerung und den Weidetierhaltern im Besonderen nicht zu vermitteln."

"In Zeiten eines, auch durch die industrielle Landwirtschaft ausgelösten globalen Artensterbens haben wir gegenüber bedrohten Arten eine regionale Bringschuld", meint BUND-Geschäftsführer Axel Mayer.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, gut verdrängte, sechste Welle im Zeitalter des Anthropozän in vollem Gange. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.

Es ist gut und wichtig, dass sich Medien und Öffentlichkeit verstärkt mit Themen wie dem bedrohten Blauflossenthunfisch, dem gefährdeten Great Barrier Reef, der Abholzung des Dschungels in Amazonien und der Ausrottung der Nashörner in Afrika und Asien beschäftigen. Doch unsere "badischen Nashörner" sind Wolf, Luchs, Wildkatze und Schmetterlinge. Für sie tragen wir hier bei uns Verantwortung.

Die Rückkehr einzelner, überlebender Tierarten nach Baden ist leider immer noch keine Trendumkehr im anschwellenden globalen Artensterben. Sie wird im zunehmend natur- und wildtierfeindlichen Umfeld am Oberrhein auch nicht einfach und darf nicht idealisiert und romantisiert werden. (Neue Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, Autobahnausbau, Industrialisierung der Landwirtschaft, zunehmende Verlärmung, Klimawandel...)

"Der BLHV sagt, dass das Auftauchen des Wolfes das Aus für die Weidehaltung bedeuten würde. Das Gegenteil ist richtig: In den allermeisten Ländern Europas, wo es noch große Flächen mit intakter Weidekultur gibt, leben gleichzeitig Wölfe. Wie schaffen es die Menschen, die dort auf das Vieh aufpassen, mit den Wölfen zurechtzukommen? Sie halten die Wölfe auf Distanz mit traditionellen Systemen (Herdenschutzhunde) oder modernen Ergänzungen (doppelte Zäune). Es ist im Schwarzwald noch offen, in welche Richtung sich die Jagdtradition von jungen Wolffamilien ausbilden wird, daher kann man auch noch gar nicht sagen, was genau möglich ist und was nicht möglich ist. Und bei den technischen Schutz-Möglichkeiten sind wir sicher erst am Anfang. Es gibt durchaus Vergrämungsmaßnahmen, die ausgelöst werden können, wenn sich Wölfe einer Herde nähern. Diese dienen nur als Ergänzung zu der zielführenden Variante Herdenschutzhund", meint der Biologe und BUND-Vorstand Carsten Brinckmeier.

Nach seiner Ansicht könnte auch eine weitere, ohnehin sinnvolle Entwicklung helfen: "Die Tierwelt der halboffenen Weidelandschaften in Baden-Württemberg ist verarmt. In Weideschwerpunktgebieten, die dann auch gezielter gefördert werden könnten, wäre auch der Herdenschutz einfacher. Damit wäre auch dort der Wolfsschutz einfacher. Und Landwirte könnten in Zeiten des Rückgangs landwirtschaftlicher Erlöse zu Experten im Umgang mit Wildtieren werden und würden dafür entlohnt."

Es macht wenig Sinn, wenn sich Verbände „gegen die Wiederbesiedlung durch den Wolf“ aussprechen – denn das angesprochene Wildtier entscheidet selbst wo es zur Jagd geht und seine Nachkommen aufzieht. Dass er dabei nicht erheblich beeinträchtigt werden darf, ist glücklicherweise europaweit abschließend geklärt und auch in unseren nationalen Gesetzen verankert. Bisher ist nicht absehbar, ob und wann sich ein Rudel im Schwarzwald etablieren wird.

Wir sollten Mensch, Landwirtschaft und Wolf nicht gegeneinander ausspielen, sondern weiterhin gemeinsam nach guten, machbaren Lösungen suchen. Viele Schritte in die richtige Richtung, wie das Wolfsmanagement mit dem Ausgleichsfonds der Naturschutzverbände für Wolfsrisse und dem Leitfaden zum Umgang mit einzelnen Wölfen, sind schon getan.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
(Pressemitteilung)



Mehr BUND-Infos zum Thema Wolf finden Sie auf der Homepage des BUND-Landesverbandes

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg
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