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Kalter Nebel2019 Cover 3D

Der erfolgreiche Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl in den 1970er-Jahren prägt viele Menschen in der Region bis heute. Basierend auf vielen Zeitzeugenberichten, lässt die Autorin Julia Heinecke in ihrem neuen Roman „Kalter Nebel – Widerstand am Kaiserstuhl“ diese dramatische Zeit wiederaufleben. Der Roman ...

wurde Mitte September beim Badischen Landwirtschafts-Verlag in Freiburg vorgestellt. Der Einladung waren viele Wyhl-Aktivisten von damals gefolgt.

Welche besondere Aktualität und Bezug zur Gegenwart das Buchthema in diesem Sommer haben würde, konnte vor einem Jahr beim Badischen Landwirtschafts-Verlag noch niemand ahnen. „Klar war uns schon, dass es sehr gut in die Zeit passen würde: Das Interesse an Politik und Beteiligung wächst bei der jungen Generation wieder, ebenso das Bewusstsein für die Bedeutung der Heimatregion“, sagt Verlagsgeschäftsführerin Barbara Sester. Und dann nahm zu Jahresbeginn der Klimaschutz richtig Fahrt auf und ist heute in aller Munde. Er wird nicht zuletzt von Schülerinnen und Schülern in aller Welt gefordert. Regenerierbare Energien spielen im Wettlauf gegen die rasant fortschreitende Klimaerwärmung eine wesentliche Rolle. Als Folge von Wyhl wurde in Sasbach der erste Sonnenkollektor gebaut und die erste Solarmesse fand dort statt. Und wegen des Volksbegehrens Pro Biene sorgen sich heute Winzer und Bauern erneut um ihre Existenz.

Die Stimmung vor 40 Jahren war ganz anders. Der Glaube an den technischen Fortschritt war groß, ebenso der Glaube an die Obrigkeit. Die badenwürttembergische Landesregierung wollte am Kaiserstuhl ein Atomkraftwerk errichten, zunächst in Breisach. Auf der elsässischen Seite in Marckolsheim war ein Bleichemiewerk geplant. Man hatte jedoch nicht mit dem Widerstand gegen das Bauvorhaben gerechnet, der zunächst von den Winzern ausging. Sie befürchteten Qualitätseinbußen beim Wein, wenn Wasserdampf aus dem Kühltürmen den Pilzdruck erhöhen würde. Die Verantwortlichen verlegten kurzerhand den Standort an den westlichen Rand des Kaiserstuhls, nach Wyhl, wo man mit weniger Widerstand rechnete. Sie sollten sich täuschen. Redliche Winzer, Bauern, Handwerker, Hausfrauen und Studenten wurden zu echten Atomkraftgegnern. Es ging ihnen nicht nur um ihre Existenzgrundlage, sondern auch um die Heimat. Der Streit um das Atomkraftwerk entzweite das Dorf und manche Familie. Als der Bau ohne Rücksicht auf ausstehende Gerichtsentscheidungen begann, blieb den protestierenden Kaiserstühlern nur ein letztes Mittel: die Bauplatzbesetzung. Die wahren Geschichten und Erlebnisse von damals sind nun in einer fiktiven Romanhandlung spannend miteinander verwoben.

Haltung zeigen

Die Autorin Julia Heinecke hat für das Buch mit vielen beeindruckenden und mutigen Zeitzeugen gesprochen, die bereitwillig Auskunft gaben. „Zu Beginn meiner Recherche war mir nicht bewusst, welch großen Einfluss der Widerstand am Kaiserstuhl auf die ökologische Bewegung in ganz Deutschland hatte“, sagte Julia Heinecke. „Wyhl wurde nie gebaut, aber wirkt nach – bis heute“. Unter den vielen Zeitzeugen, die zur Buchvorstellung kamen, war auch Wyhls stellvertretender Bürgermeister Joachim Adler. Als kleiner Junge erlebte er die Proteste und den Aufruhr im Dorf und den Zwiespalt in der eigenen Familie. Spontan dankte er den Anwesenden herzlich für ihren Einsatz, der ihm und seiner Gemeinde einen Atommeiler vor der Haustüre erspart hat. Als Landjugendlicher der Ortsgruppe Oberrotweil und Winzer-Lehrling war auch Werner Räpple bei den Schlepperdemos dabei. Für den heutigen Präsidenten des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes sei die Zeit prägend gewesen und habe ihn für politische Themen sensibilisiert und zum Engagement motiviert. Er hat im Buch das Vorwort geschrieben.

Trilogie komplett

„Kalter Nebel – Widerstand am Kaiserstuhl“ ist der letzte Teil einer Roman-Trilogie, die 1942 mit dem tapferen Miggi und der Freiburger Familie Schocher beginnt und den Hütekindern ein erzählerisches Denkmal setzt („Kalte Weide – Ein Hirtenbub im Schwarzwald“). In der Fortsetzung, die in den 1950er Jahren spielt, griff der Verlag ein weiteres Tabuthema auf. Miggis Schwester Irmi wird ungewollt schwanger und muss als Magd auf einem Schwarzwaldhof für ihre Rechte kämpfen („Kalte Herzen – Eine Magd im Schwarzwald“). Miggis Tante Hannelore, die in Wyhl einen Landwirt geheiratet hat, sowie sein jüngster Bruder Johann, als Polizist auf der Seite der Staatsmacht, sind im neuen Buch die Protagonisten. Außerdem seine Nichte Klara, die im zweiten Buch als uneheliches Kind geboren wurde und nun als Freiburger Studentin im Widerstand gegen das AKW mitmischt.

Lesungen

In den Buchhandlungen der Region und im Haus der Bauern finden in den nächsten Wochen Lesungen mit Julia Heinecke statt:
Freitag, 18.10., 20 Uhr, Lesung „Kalter Nebel“, Neutor-Buchhandlung, Breisach
Mittwoch, 13.11., 19 Uhr, Lesung „Kalter Nebel“, Mediathek Müllheim
Freitag, 15.11., 19.30 Uhr, Lesung „Kalte Weide“ & „Kalter Nebel“, Merkle-Buchhandlung, Elzach.
Donnerstag, 7. 11., 19 Uhr, Lesung im Haus der Bauern, Freiburg. Julia Heinecke wird den Abend zusammen mit Liedermacher „Buki“, Roland Burkhart, gestalten. Eintritt mit Getränk und Gebäck 8 Euro.
Weitere Termine auch auf der Webseite der Autorin: www.die-schreibstatt.de.

„Kalter Nebel – Widerstand am Kaiserstuhl“. Julia Heinecke, 304 S. Hardcover, 15,80 Euro, ISBN 978-3-9818089-6-4. Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich: Monika Schmitt, Tel. 0761/27133-400, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

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