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Gebührenfreie Kindergärten Kulturforum FreiburgFreiburger Parteien antworten auf die Fragen von Thelma Basil, Miglena Hristozova, Nikoleta Wittmer, Fedoua Hamman vom Migrant_Innenbeirat Freiburg im Hinblick auf die Landtagswahl 2021. (Die Antworten sind nach Eintreffen der Antworten sortiert und sollten in Leichter Sprache formuliert sein.)

Thelma Basil: 1. Auf der Homepage des Kultusministeriums findet man den Begriff „Interkulturelle Öffnung“. Betrachten Sie in diesem Zusammenhang Mehrsprachigkeit eher als einen Mehrwert oder als ein Defizit und welche Schritte im Sinne einer interkulturellen Öffnung der Schulen würden Sie ... unternehmen?

Gabi Rolland SPD Landtagswahl 2Gabi Rolland | SPD

Gabi Rolland: Mehrere Sprachen zu sprechen ist immer ein kultureller Mehrwert. Man lernt dabei ja nicht nur eine Sprache, sondern auch die Kultur des jeweiligen Landes, die Mentalität der Menschen. Ich finde es ist immer ein Gewinn mehr als eine Sprache zu sprechen oder sich auch in einem fremden Land zumindest ein paar Begriffe anzueignen.
Interkulturelle Öffnung gelingt am einfachsten mit interkulturellen Teams an einer Schule. Das ist nicht ganz leicht, aber machbar. Außerdem sollten Schulen für alle offen sein. Das nenne ich Willkommenskultur.

 

FDP, Fr. SchäferMarianne Schäfer | FDP

Marianne Schäfer: Ich empfinde Mehrsprachigkeit ganz grundsätzlich als einen Mehrwert in der Gesellschaft. Unterricht in verschiedenen Sprachen lohnt sich aber nur, wenn genügend Kinder teilnehmen. Die Entscheidung darüber soll bei den Schulen liegen.

Ich finde es wichtig, dass auch die Lehrkräfte diverser werden, damit kulturelle Missverständnisse im Umgang abgebaut werden. Das gilt auch für Schulsozialarbeit. Hier sogar noch mehr. Die Sozialarbeiter:innen sind Ansprechpartner für alle Kinder an der Schule. Hier Menschen einzustellen, die multikulturell aufgewachsen sind, ist von Vorteil. Sie können die Probleme von Kindern, die multikulturell aufwachsen besser nachvollziehen und besser darauf eingehen. Bei der Einstellung sollte darauf mehr geachtet werden.

Aber auch Lehrkräfte müssen stärker im Verständnis für kulturelle Unterschiede geschult werden. Das sollte einen festen Platz in der Ausbildung erhalten.

Ich würde gerne den Religionsunterricht an der Schule ersetzen. Hier sollte ein Unterricht stattfinden, der sich mit den verschiedenen Religionen und Kulturen beschäftigt. Das wichtigste Ziel dabei ist interkulturelles Verständnis aufzubauen.

Dr. Arndt MichaelDr. Arndt Michael | CDU

Dr. Arndt Michael: Die Ziele der interkulturellen Öffnung finden sich auf der Seite des Sozialministeriums (https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/integration/interkulturelle-oeffnung/). Konkret bedeutet dies (Zitat), „dass sich Institutionen auf die Anforderungen einer kulturell vielfältigen Gesellschaft ausrichten. Grundlage ist die Wertschätzung von Vielfalt als Ressource und Potenzial. Ziel des Öffnungsprozesses ist es, allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleichberechtigten Zugang zu den Dienstleistungen und Beschäftigungsmöglichkeiten der jeweiligen Einrichtung zu ermöglichen.“

Die Antwort auf Frage 1 ergibt sich aus den Maßnahmen des CDU-geführten Kultusministeriums auf der Seite interkulturelle Bildung (https://km-bw.de/,Lde/startseite/Schule/Interkulturelle+Bildung?QUERYSTRING=interkulturelle+%26ouml%3Bffnung). Konkrete Beispiele sind z.B.:

  • Schulung von Eltern, damit sie an der schulischen Bildung der Kinder partizipierend mitwirken können
  • Schulung von Elternmentoren
  • Netzwerk für interkulturelles Lernen und Arbeiten an Schulen (NikLAS)
  • Interkulturelle Qualifizierung

Ich zitiere die Zielsetzungen direkt von der Seite des Kultusministeriums: „In den Klassenzimmern ist kulturelle Vielfalt schon lange eingezogen und immer mehr Lehrpersonen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit eigener Migrationsbiografie gehören zu den Schulteams. In dieser kulturellen Vielfalt, die hohe Sensibilität und interkulturelle Kompetenz verlangt, muss sich die Professionalisierung der pädagogischen Arbeit in allen Schulen und kulturellen Einrichtungen weiterentwickeln. Interkulturelle Bildung in der Schule bezieht die Eltern mit ein, damit sie ihre Kinder begleiten und an deren schulischen Bildung partizipierend mitwirken können.“

Ich bin selber zweisprachig aufgewachsen  - echte Mehrsprachigkeit hat immer einen großen Mehrwert. Es darf allerdings keine doppelte „Sprachlosigkeit“ entstehen. Das Erlernen der deutschen Sprache ist daher wichtige Grundlage. Gleichzeitig sollte die Pflege der Muttersprache nicht vernachlässigt werden. Mit Hilfe von o.g. Elternmentoren werden Eltern, die das Bildungssystem nicht kennen, unterstützt. Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund bringen ihre interkulturellen Erfahrungen ein, ebenso wie weitere Personen in der Betreuung und Begleitung der Schülerinnen und Schüler. Zusätzlich Angebote wie Sommerschulen fördern insbesondere interkulturelle Erfahrungen.

Michael Herder CDU Freiburg DreisamtalManuel Herder | CDU | Wahlkreis Freiburg-Hochschwarzwald

Manuel Herder: Ich habe mein Abitur im Ausland gemacht und war damals fast zweisprachig. Das war gut für mich.

 

 

 

 

imke pirch landtagswahlImke Pirch | Die Linke

Imke Pirch: Sprache bedeutet Reichtum. Sprachen werden immer von Außen beeinflusst und verändert, das ist völlig normal. Ich bin sehr beeindruckt z.B. von kurdischen Kindern, die schon mit drei Sprachen eingeschult werden, weil bei ihnen zu Hause kurdisch, arabisch und  türkisch gesprochen wird. Es ist ein Ausdruck des tiefsitzenden strukturellen Rassismus des deutschen Bildungssystems, dass solche Kenntnisse oft überhaupt nicht wahrgenommen und auch nicht weiter ausgebildet werden, weil aus dem Blickwinkel der deutschen Bildungstradition, französisch und englisch als Teil "guter Bildung" angesehen wird, arabisch oder chinesisch aber nicht. Ich sehe die immer noch vorherrschende Ideologie der angeblich notwendigen"Einsprachlichkeit"  als das größere Problem an.
Deswegen wollen wir auch den muttersprachlichen Unterricht ausbauen. Die Realität zeigt längst, dass an vielen Schulen sehr viel mehr Sprachen als deutsch gesprochen werden. Dieses Potential muss eine Gesellschaft nutzen, wenn sie wachsen und sich entwickeln will.

Nadyne Saint Cast Bündnis90 DieGrünen Kulturforum Freiburg V2 Nadyne Saint-Cast, Bündnis 90/Die Grünen, Kandidatin Freiburg II

Mein Mann ist Franzose. Unsere drei Söhne wachsen zweisprachig auf. Das ist ein großes Geschenk, auf das unsere Kinder stolz sind. Auch wir als Grüne sehen Mehrsprachigkeit als eine Bereicherung an. Wir wollen Kinder mit Migrations- und Fluchthintergrund dabei unterstützen, dass sie sowohl die Sprache ihrer Eltern, als auch die deutsche Sprache gut erlernen können. Ein Baustein ist die Sprachbildung in Kita und Grundschule. In Freiburg habe ich mich im Stadtrat in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt, dass wir mehr Sprachförderung in Kitas und Grundschulen haben. Das will ich auch Landeseben tun. Einen Einblick in die Sprachbildung in Freiburg erhalten Sie in diesen Kurzfilmen: https://www.freiburg.de/pb/1267674.html

 

Siehe auch:

Chancenungleichheit Kulturforum Freiburg

 

 

 

 

 

 

 

Gebührenfreie Kindergärten Kulturforum Freiburg

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