GroßesNeuesHeaderbild

Wentzinger Gymnasium Ausflug"Ich finde, dass die Voraussetzung für Integration das Erlernen der deutschen Sprache ist." sagt Lara (14) in flüssigem Französisch. Französisch bilingualer Gemeinschaftskundeunterricht  am Wentzinger Gymnasium in der Klasse 9a. Thema ist die Flüchtlingspolitik in Deutschland und Frankreich und die Frage, wie die Integration der hier lebenden Flüchtlinge am besten gelingen kann. Wie selbstverständlich äußern die Schülerinnen und Schüler ihre Meinung auf Französisch.

„Aber man muss auch die deutsche Gesellschaft und deren Sitten und Regeln kennen.“ erwidert David (14) auch auf Französisch und schon entsteht eine lebhafte Diskussion darüber, was eigentlich „typisch“ an der deutschen und französischen Gesellschaft ist.
„Es ist ganz erstaunlich, wie viele auch komplexe Sachverhalte die Schülerinnen und Schüler schon auf Französisch äußern können“, beurteilt die Gemeinschaftskunde-lehrerin Kristina Meyer stolz die Kompetenzen ihrer Lerngruppe. „Dass wir bei brisanten Themen, die eine differenzierte Auseinandersetzung bedürfen auch ins Deutsche wechseln ist selbstverständlich. Hier geht es ja in erster Linie um die Inhalte des Fachs“, so die Lehrerin einschränkend.

Ein Teil der Schüler der Klasse 9a besucht seit Klasse 5 den französisch bilingualen Zug, der nun schon seit sechs Jahren am Wentzinger Gymnasium angeboten wird.  Neben dem verstärkten Französischunterricht  ab der 5.Klasse werden ab dem 7.Schuljahr folgende drei Sachfächer sukzessive auf Französisch unterrichtet: Erdkunde, Geschichte und Gemeinschaftskunde. In diesen Fächern müssen neben den fachspezifischen Inhalten auch spezifische Vokabeln gelernt werden. „Die vielen Vokabeltests sind schon echt blöd, doch wie kann ich sonst über den europäischen Rettungsschirm für Griechenland oder Staatsanleihen auf Französisch sprechen?“  bemerkt Matteo (17) aus der Kursstufe 1. Er und seine Mitschüler des bilingualen Profils werden im nächsten Jahr das deutsch-französische Abitur (Abibac) am Wentzinger Gymnasium ablegen. Das Gymnasium im Freiburger Westen ist damit eines von 16 Gymnasien in Baden-Württemberg, in denen dieser Bildungsgang angeboten und unterrichtet wird. Im Jahr 2016 ist es bereits das sechste Mal, dass eine Gruppe von Wentzinger Schülern das besondere diplôme erwerben wird.

Deutschlandweit haben von 100 000 Abiturienten jährlich ca. 2000 diesen doppelten Abschluss. In Zeiten der Globalisierung und der internationalen Ausrichtung von Universitäten und Berufen ein ganz erheblicher Vorteil. „Sehr gute Englisch-kenntnisse sind natürlich heute unabdingbar, aber wer spricht darüber hinaus nahezu fließend französisch und kann sich auch über wirtschaftliche, politische und historische Zusammenhänge austauschen?“ Schulleiter Georg Weiser ist von den besonderen Fähigkeiten seiner Schüler überzeugt: „Es sind jedoch nicht nur die zusätzlichen sprachlichen Kompetenzen, die unsere Schüler vorweisen. Besonders wertvoll sind meiner Meinung nach die Fähigkeiten im interkulturellen Bereich, also sich in einer neuen Kultur schnell und flexibel zurechtzufinden und Barrieren und Vorurteile abzubauen. Daher legen wir als Schule besonderes Gewicht auf Austausche und Drittortbegegnungen im Rahmen dieses Profils.“ Augenzwinkernd und nicht ohne Stolz fügt der Schulleiter hinzu: “Und unsere Partnerschulen liegen nicht gerade in den unattraktivsten Landstrichen Frankreichs bzw. Europas: Narbonne (Klasse 7), Avrillé (Klasse 9), Montpellier (Klasse 10) und in der Kursstufe  Berlin, Paris oder Brüssel – unser Austauschprogramm kann sich sehen lassen.“

Wentzinger Gymnasium SüdfrankreichDeutsche und französische Schülerinnen und Schüler vor  dem Hôtel de ville in Narbonne, Südfrankreich (Oktober 2014)

Und wie beurteilen die Schüler der Klasse 9a ihr Profil?  „Als ich das erste Mal mit unserem Schüleraustausch in einer französischen Familie war merkte ich, dass ich mich wirklich gut verständigen konnte und dass die Mühen nicht umsonst waren“, findet Carlotta, (14) „Ich find’s cool, dass wir so viel in Frankreich unterwegs sind“, bemerkt Gabriel (15). „Wir haben schon mehr zu tun als die Anderen, doch wir haben viel Unterricht nur in unserer kleinen bili-Gruppe, da kommt man öfters dran und traut sich auch zu sprechen. Außerdem kennen uns die Lehrer, die im bili-Profil unterrichten viel besser, da wir mit den meisten schon längere Zeit unterwegs waren. Das ist ein großer Vorteil an einer so riesigen Schule“, meint Dina (14) und erntet beifälliges Nicken bei ihren Mitschülern. „Schade, dass wir noch nicht im G9 sind“, bedauert Carlos (15) „da hätten wir nämlich weniger Stress und die zusätzlichen Stunden verteilen sich auf ein Jahr mehr.“
So geht es den Mitschülern der 7.Klasse im bili-Profil. Diese Lerngruppe profitiert bereits von der „Entschleunigung“ im G9. Das Wentzinger Gymnasium ist nämlich das einzige öffentliche Gymnasium im Freiburger Raum, welches seit 2013 ausschließlich das G9-Modell anbietet. Aufgrund der geringeren Anzahl von Unterricht am Nachmittag profitieren v.a. die unteren und mittleren Jahrgänge von dem Plus an Zeit für Hobbies und andere Aktivitäten. Malika (14) meint dazu: „Morgen kommt meine Austauschschülerin aus Montpellier. Da gehen wir zusammen auf den Weihnachtsmarkt und Schlittschuhlaufen – das find‘ ich richtig cool.“

Wentzinger Gymnasium FreundschaftDeutsch-französische Freundschaft im Jahr 2014

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Newsletter-Abo

Du willst auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere doch unsere Newsletter: